Montag, 3. Oktober 2011

Abschlussbericht

12.9.2011

Knapp 4 Wochen bin ich nun schon wieder in Deutschland. Ja ich weiß, das hört sich immer so blöd und komisch an, aber es ist wirklich unglaublich! Also für mich zumindest, ich kann es nicht fassen wieder hier zu sein! Ich weiß noch genau, wie ich die anderen Berichte und besonders den Letzten geschrieben habe und jetzt ist der alles abschließende Abschlussbericht an der Reihe! Na wie immer habe ich mich lange drum gedrückt und mich schwer getan, aber heute soll der Tag sein, um mich damit zu beschäftigen. Ich habe schon einige vergebliche Versuche hinter mir, bei denen es mir misslungen ist auf Basis der DIN A4 Seite voller Fragen, die ich vom Welthaus Bielefeld als Raster für den Abschlussbericht bekommen habe, einen halbwegs zufrieden stellenden Bericht zu verfassen. Es ist einfach eine ganz andere Herangehensweise als ich es bisher getan habe und diese teilweise detaillierten Fragen bzw. ihre Antworten auch noch in einen (flüssigen) Text zusammenzufügen, schien mir nicht möglich! Also habe ich mich jetzt entschlossen es einfach so anzugehen wie immer, nämlich einfach drauflos schreiben und später evtl. auf die Leitfragen eingehen oder noch ein zusätzliches Schreiben zu verfassen.
Dann beginne ich also wie immer beim zuletzt abgeschickten Bericht, der Ende Juni raus ging.
Auch wenn nur noch 6 Wochen bis zur Heimreise blieben, hatte sich doch noch mal einiges getan. Ende Juni stand noch ein Besuch von meinem Freund Jonas vor der Tür, genauso wie er auf einmal, vor der Tür! Mit ihm bin ich ja bereits im Januar ein paar Wochen gereist und er hat es sich nicht nehmen lassen kurz vor seiner Abreise nach Deutschland noch einmal den langen und aufgrund von Aufständen auch sehr komplizierten Weg zu mir nach Lima auf sich zu nehmen. Er wollte gerne sehen, wo und wie ich ein Jahr lang gelebt habe und sich ein eigenes Bild von der Casa Belén machen. Die Freude war groß als er plötzlich und jetzt schon das 2. Mal vor meiner Tür stand, zuletzt in Cusco vorm Hostal Zimmer. Wie versprochen hat er meine Freunde, Lima, unser Haus, die Casa Belén, mein „barrio“ (also mein Viertel) Pueblo Libre, meinen Alltag und Lebensart kennen gelernt. Doch nach 4 Tagen galt es dann schon sich wieder zu verabschieden, allerdings nur für schlappe 6 Wochen!
Mitte Juni stand für mich noch mal eine Veränderung an. Obwohl es schon Monatelang im Gespräch war kam es dann doch relativ spontan, dass ich um einen Wechsel in die Gruppe der 5-jährigen gebeten wurde. Ich hatte mich in der Hinsicht schon mehrfach angeboten, da die Profesora in dieser Gruppe ganz alleine mit den 17 Kindern ist. Die meisten anderen Gruppen sind mit 3 Personen belegt und den Grund der Direktorin, dass die 5-jährigen aufgrund ihres Alters nicht so viel Betreuung benötigen und eine Profesora ausreiche, habe ich nicht geteilt. Die Arbeit bei den 5-jährigen ist eine ganz andere. Natürlich sind sie selbstständiger als die 2-jährigen und ich muss sie auch nicht füttern und auch nicht aufs Klo bringen, aber dafür beanspruchen sie mindestens genau so viel Hilfe, nur halt in anderen Bereichen. Sie müssen nämlich bevor sie im Dezember die Casa Belén verlassen und nach den großen Ferien in die Schule kommen die Zahlen bis 20 beherrschen genau so wie kleine Rechnungen und Unterscheidungen „größer-kleiner-gleich“. Doch beschränken sich die Anforderungen nicht nur auf mathematisches Vorwissen, nämlich müssen sie auch ihren Namen schreiben können, ebenso in Druck- als auch in Schreibschrift, und kleinere Geschichten verstehen und Fragen dazu beantworten können. Die Profesora konnte also wirklich gut Hilfe gebrauchen, da es in der Gruppe auch ein behindertes Kind und teilweise sehr schwierige Kinder gibt und viele von ihnen nicht selbstständig arbeiten können. So kam unser Alltag dem einer Schule schon sehr nahe, so wie die Kinder die Casa Belén auch nannten, ihr „colegio“. Ich wurde, wie ich fand, sehr gut in die Gruppe integriert und eingebunden und da ich gleich auch als neuer Profesor vorgestellt wurde bekam meine Stimme auch das gleiche Recht wie das der Profesora. Also wurde ich viel nach meiner Meinung gefragt und bekam die Möglichkeit mich sehr einfach in den Unterricht einzubauen. Glücklicherweise waren die Kinder und ich uns schon vertraut, da ich sie bereits vom letzten Jahr kannte jedoch besonders durch den Schwimmunterricht vom Jahresanfang. Daher war es auch kein Problem, dass ich nicht länger als 4 Wochen in der Gruppe war. Auch wenn es mir schwer gefallen ist, meine kleinen Kids, die 2-jährigen, zu verlassen, so habe ich mich auch sehr über den Wechsel gefreut. Einfach noch mal etwas anderes machen, mit neuen Kindern und neuen Aufgaben um noch ein paar mehr Erfahrungen zu sammeln. Außerdem fand ich, dass sich die zwei Erzieherinnen bei den 2-jährigen immer mehr und am Ende zu sehr auf mich verlassen hatten, sodass ich immer mehr Aufgaben und somit auch mehr Verantwortung bekommen hatte. Ich hatte den Eindruck, dass teilweise auch Faulheit eine Rolle spielte und die Gewissheit, dass da, in diesem Fall, ja immer ein Swen ist, der Spaß dran hat und sich schon kümmern wird. Doch es kann nicht sein, dass man sich dort so sehr auf uns Freiwillige und bereits auch auf unsere Nachfolger verlassen hat, dass nicht nur ich sondern auch Verantwortliche aus dem Vorstand den Eindruck hatten, dass es zeitweise ohne uns nicht laufen würde. Somit sah ich es als gute Chance, die Gruppe zu wechseln und die Arbeit der Erzieherinnen bei den 2-jährigen diesmal aufgrund meiner Abwesenheit anzukurbeln, bevor sich ein neuer Freiwilliger mit Elan und Freude in die Arbeit stürzt und die Position desjenigen der sich kümmert einnimmt.
Allerdings hätte ich nicht erwartet, dass die 2 Erzieherinnen der 2-jährigen sauer auf mich sind und mir den Wechsel übel nehmen, der jedoch nicht meine sondern die Entscheidung des Vorstands war. Es hat mich sehr erschrocken, dass sie nur die Interessen ihrer eigenen Gruppe und sich selbst gesehen haben und gar nicht die ihrer Kolleginnen oder die der Casa Belén insgesamt als Institution, nämlich dass die Arbeitskräfte möglichst sinnvoll nach Bedarf eingesetzt werden so dass allen Kindern insgesamt am meisten geholfen werden kann! Schade!



Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, wie ich in meinem 2. Quartalsbericht geschrieben habe, wie die Casa Belén Ferienfest gemacht wurde und alles leer geräumt werden musste. Das Gleiche hatten wir dann im Juli noch mal zu bewerkstelligen, denn die Casa Belén wurde für eine Woche aufgrund der Nationalfeiertage geschlossen und alle Räume wurden mit einer Chemikalie besprüht. Ich weiß leider nicht mehr welche Erreger abgetötet werden sollten. Doch wie bereits angedeutet bot diese freie Woche mir ein letztes Mal die Möglichkeit eine kleine Reise zu unternehmen. Natürlich habe ich das ausgenutzt! Hier kommt eine kleine Zusammenfassung meiner wieder super spannenden und interessanten Reise, die ich dieses Mal alleine angetreten bin. Mit dem Bus 24h ins nördliche Hochland in die Kleinstadt Chachapoyas. Die Fahrt hat mir nichts ausgemacht. Für ein wenig mehr Geld bekommt man einen großen und gemütlichen Sitz! In das von Chachapoyas nicht weit entfernte kleine Töpferdorf Huáncas gewandert und die dort vorzufindene tiefe Schlucht bestaunt. Am nächsten Tag mit den wichtigsten Sachen auf dem Rücken, alleine, und nach der Beschreibung einer Einheimischen über einen alten Weg der Inca in Richtung der ehemaligen Festung eines alten Volkes, Kuélap, gewandert. Die erste Etappe ging einige Berge hoch und runter mit wundervoll einsamen Blicken über den Bergregenwald. Nach vielen Stunden und einigen kniffligen Wegentscheidungen gelang ich ins kleine Dorf „Levanto“. Dort hat mich eine sehr nette Frau mit einem dicken Menü und zufälligerweise auch noch mit meinem Lieblingsgericht versorgt und somit meinen Bärenhunger gestillt. Die letzten Stunden vom Tag habe ich mich auf dem schönen Hauptplatz aufgehalten und Schulklassen beim Marschieren üben zugeschaut. Sehr lustig, so klein ein Dorf auch sein mag, hat es auf jeden Fall einen schön hergemachten Hauptplatz, der in dem Fall nicht viel kleine war als der Rest des Dorfes! Außerdem habe ich meine Beine noch einmal mobilisiert und bin einen Berg hoch gewandert auf dessen Spitze eine komplett verwilderte archäologische Stätte anzutreffen war, die jedoch in den vielen Jahren in den Besitz der Natur übergegangen war. Mein Plan für die Nacht in dem Dorf zu bleiben und am nächsten Morgen weiter zu ziehen ging leider nicht auf, sodass ich einen Dorfbewohner, der ein Auto besaß, überredet habe mich noch am Abend in das Dorf „Tingo“ zu fahren, was ungefähr 90min entfernt liegt. Es war bereits dunkel geworden was die Fahrt über die Schotterwege, die Berge hoch und runter auf jeden Fall… sagen wir aufregend machte! In Tingo bin ich dann sofort ins bequeme Bett eines Hostals gefallen und von dort aus habe ich am nächsten Morgen früh den Anstieg nach Kuélap begonnen. Der jetzt einfach zu verfolgende Weg schlingelte sich erst durch das Tal am Fluss entlang, was bei Sonnenaufgang traumhaft aussah, und später die steilen Berge ganze 1100 Höhenmeter hoch. Nach 4h war ich oben und ließ mich von einem Mann, der direkt vor der ungeschützten Stätte in einer Hütte lebt, durch die Festung führen. Obwohl Kuélap viel größer und älter als Machu Picchu ist und sich ebenso spektakulär auf einer Bergspitze befindet, ist es sehr untouristisch und beinahe unbekannt, da sich nicht wirklich um die Aufbereitung der Stätte gekümmert wird. Es war aber doch wirklich beeindruckend und ein super Erlebnis! Für den Rückweg habe ich einen kleinen Tourbus gefunden, der Tagestouren von Chachapoyas aus macht und noch einen Platz frei hatte um mich wieder mit zurück zu nehmen. So einfach ist das! Nichts geplant, ganz allein und doch hat alles geklappt! Also gut, jetzt aber etwas schneller!
Es ging weiter nach Tarapoto, eine Stadt im tropischen Regenwald. Ein bei Capoeira kennengelernter Kumpel verbrachte zu dieser Zeit seine Semesterferien bei seiner Familie in Tarapoto. Ich war viel mit ihm und seinen alten Freunden auf Motorrädern durch die Stadt unterwegs was richtig viel Spaß gemacht hat. Wir haben uns total gut verstanden und es ist einfach ein cooles Gefühl ohne Helme durch eine so schöne Dschungelstadt zu fahren, egal ob man einen Führerschein hat oder nicht! Saucool!
Ich habe Ausflüge gemacht, in ein schönes Dörfchen „Sauce“ an eine noch schönere Lagune und in ein kleines Städtchen „Yurimaguas“, wo ich auch die Mutter bzw. Oma von Freunden und Mitarbeitern aus der Casa Belén besucht habe. Es war eigentlich nur als Tagesausflug gedacht, aber weil ich mich so gut mit meinem Mototaxifahrer verstanden habe, bin ich spontan eine Nacht dort in einem billigen und dreckigen Hostal geblieben und bin mit ihm und seinem Sohn durch die Stadt und an einen nahen Fluss zum baden gefahren. Mit ihm bin ich dann am nächsten Tag auch in 5 Stunden mit seinem Moto-Dreirad über die 2 Berge zurück nach Tarapoto gefahren, was eine sehr knatterige aber echt lustige Aktion war und ich habe noch mit ihm seine Verwandten besucht und gelernt wie man leckere Toffees selber macht!

Ich habe noch so viele nette Leute kennen gelernt und etliche schöne Situationen erlebt, die den Rahmen hier aber leider sprengen würde, sodass ich das hier nicht weiter ausbaue…bis auf meine Lieblingssituation von der ich noch erzählen möchte. Und zwar war ich morgens immer sehr früh in der Markthalle in Tarapoto um Fruchtsäfte zu frühstücken und am Eingang hatte sich ein Vater mit seinen 2 Söhnen breit gemacht und nicht sonderlich schön klingende Musik gemacht, die aber gerade durch ihren schiefen Klarinettenklang und unrhythmischen Trommelschläge der Söhne so ein Charme in der Markthalle verbreitete und mich total begeisterte, dass ich noch stundenlang bei ihnen im Eingang saß und ganz aufmerksam den sich immer wiederholenden Klängen gelauscht und die Jungs beobachtete habe. Einer von ihnen hat mich nämlich total an das größte Problemkind in der Casa Belén erinnert, mit dem ich letztes Jahr gearbeitet habe. Außerdem echt schön den Jungs eine so große Freude bereiten zu können denn die sind am Ende durch eine 3€ Spende fast umgefallen! Das war toll!
Insgesamt war es also wieder eine unvergessliche Woche die ich erlebt habe. Es war wieder eine ganz andere Art zu reisen. Ich war alleine unterwegs und habe vieles ungeplant und selbstständig gemacht, was mir sehr gut gefallen hat. Den Regenwald habe ich noch einmal total genossen mit seinem fantastischen Klima, dem tollen Stadtflair, den leckeren typischen Speisen und den vielen günstigen Früchten. Mit dem Flieger ging es ganz schnell, wenn auch mit Zwischenstopp über die hohen Anden zurück nach Lima und ZACK war es wieder vorbei!
Genug Zeit hatte ich gehabt in der Woche um mir jetzt wirklich endgültig bewusst zu werden, dass ich nun nur noch 2 Wochen hatte. Langsam wurde es echt ernst und auch wenn ich mich gefreut habe wieder zurückzukehren, war doch auch die Trauer schon sehr groß wegzugehen und das alles so lieb gewonnene hinter sich zu lassen. Nica, Marcus und Ich haben noch mal viel zusammen gemacht, kleine Ausflüge mit unseren guten Freunden und noch mal gefeiert. Ich habe mir natürlich zum Abschluss auch noch einmal einen Magen-Darm Virus eingefangen, was mir die letzten Tage in der Casa Belén ein wenig verkürzte. Doch die letzten 2 war ich dann wieder fit und hatte gleich auch noch mal eine richtig schöne Auseinandersetzung mit der Direktorin, was mich echt wieder verrückt gemacht hat und dann war er auch schon da, der letzte Tag in der Casa Belén. In meinem Kopf spielte sich so viel ab, das ich jetzt schon der alte Freiwillige bin, der geht, der sein Jahr schon rum hat. Nun musste ich mich verabschieden von meinen ganzen kleinen Kindern und von den Mitarbeiterinnen, die mir teilweise so sehr ans Herz gewachsen sind und dann fragt man sich doch, ob man das eigentlich möchte und man fühlt sich irgendwie gezwungen und herausgerissen. Der Abschied ist mir so unheimlich schwer gefallen. Ich habe mir einige Stunden Zeit genommen um noch mal zu den 2-jährigen zu gehen, die ich doch am ehesten als meine Gruppe bezeichnen würde, bei denen ich so viel Zeit verbracht habe und ich habe ganz lange mit den Kindern gespielt und ihnen versucht beizubringen, dass ich jetzt nicht mehr kommen werde. Sie hatten auch eine kleine Feier vorbereitet und mir etwas gebastelt und irgendwann wurde es dann aber Zeit mich zu verabschieden und das war wirklich traurig. Sie haben mich alle einzeln gedrückt und teilweise so liebe Sachen gesagt und auch wenn es einige bestimmt nicht verstanden haben was da grad eigentlich los ist und warum der „Esbén“ denn weint, habe ich aber auch gemerkt wie traurig einige geworden sind und das schon verstanden hatten, dass der „papá“, der „tío“, der „Esbén“ halt eben nicht mehr kommt. Tja das war wirklich das Härteste! Zu wissen sie jetzt nicht mehr täglich sehen zu können und mit ihnen zu sein oder wenigstens ein paar Rufe und lächelnde Gesichter durch das Fenster zu bekommen…
Auch der Abschied von den 5-jährigen war lieb gemacht, ich habe ein paar kleine Geschenke und liebe Wünsche mit auf den Weg bekommen. Später haben sich alle Mitarbeiter zusammen gesetzt und „zur Feier des Tages“ gab es sogar Pizza. Nica und Ich haben unsere kleinen Fotocollagen überreicht und eine kleine Rede geschwungen und dafür aber auch ganz viele liebe Worten von allen zurück bekommen, was zum Abschluss noch mal sehr gut tat zu hören. Wirklich schwer ist mir dann noch der Abschied von der Señora Hilda, die für das Waschen und Spülen zuständig ist, gefallen. Mit ihr habe ich mich sehr gut verstanden und wir hatten sehr oft die gleichen Ansichten in Bezug auf die Casa Belén und haben uns um einander gekümmert. Nica und ich haben uns noch sehr lange durch die Casa Belén getrieben und uns verabschiedet, sodass wir fast als Letzte nach Hause gegangen sind. Und doch war ich erleichtert, als die Tür hinter uns zugefallen ist und wir fertig waren. Dazu bei trug mit Sicherheit auch der Stress der letzten Tage mit der Direktorin, der aber auch noch einige Tage anhalten sollte, was ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht wusste.
Nun blieben mir noch genau 5 Tage bis zum Abflug und ich hätte nicht gedacht, dass sie noch so stressig werden. Es gab noch so viel zu klären und doch noch ein paar Sachen, die wir machen wollten und außerdem mussten wir packen und nicht nur das sondern vorher erstmal aussortieren und unsere Zimmer ausräumen und alles leer und eigentlich halbwegs sauber hinterlassen, was im Endeffekt erst in den letzten Minuten vor der Abfahrt zum Flughafen passiert ist, als wir einfach alles in Kisten und Tüten für unsere Freunde gepackt haben, was wir nicht mitnehmen konnten. Wir mussten uns hier und da verabschieden und uns nebenbei auch noch ein wenig auf Deutschland vorbereiten, zumindest im Kopf, was aber nicht so ganz gelungen ist, würde ich behaupten, weil es dann nämlich doch ein Riesenschock war.
Also alles noch mal ein letztes Mal tun und überall und alles verabschieden und dann die letzten Freunde am Flughafen drücken und traurig durch die Tür verschwinden…

vorbei!


Der Flug und alles ging rasend schnell, wir waren ja sowieso durchs Reisen dort andere Zeitverhältnisse gewöhnt und da war halt eine 24h Fahrt schon mal normal. Umso komischer war es dann schon nach gerade mal 17 Stunden in Deutschland zu sein und mit meinem Rucksack aufm Rücken durch die Tür zu gehen. Ehrlich gesagt hat es mir das ganze Jahr über von Anfang an schon ein wenig vor diesem Augenblick gegraut. Den Rucksack vom Fließband nehmen und sich vor die Tür stellen hinter der dann Freunde und Familie warten. Nicht das es mich nicht gefreut hätte, aber damit ist einfach alles vorbei, es ist ein krasser Schnitt und ich war so gespannt was danach kommt aber ich hatte auch ein bisschen Schiss. Zum Glück war ich mir dann meiner Situation kaum bewusst was mir in dem Moment wahrscheinlich geholfen hat. Außerdem wusste ich auch nicht, dass ich jetzt nach dieser ersten Tür schon vor den ganzen Leuten stehe. Vor zitternden Knien konnte ich dann kaum wirklich meine Familie und Freunde umarmen. Ich wäre wirklich fast zusammen gebrochen so fertig war ich. Ich hab mich gefreut und konnte es doch alles gar nicht verstehen und schon war es aber so wie immer und ich war einfach nur fertig und konnte auch nicht viel anderes sagen. Ich war überrascht von mir selbst, wie schockiert ich von allem hier war. Das sind so viele tausende Kleinigkeiten, die ich zwar eigentlich alle kenne, aber die mich schockieren, weil sie so anders sind als in Peru. Allein von unserem Haus hier, von der Einrichtung, der Sauberkeit und jeder Kleinigkeit, weil alles einfach nur edel und luxuriös erscheint, war ich schockiert, obwohl ich es alles genau so kannte und sich nichts verändert hat. Selbst die Tapeten im Eingang haben einfach nur geglänzt und geleuchtet! Mein Jugendzimmer was sich kein Stück verändert hat und so aussieht als wäre ich vor einem Tag erst hier zum Flughafen aufgebrochen um nach Peru zu fliegen, alles so wie immer. Passt es jetzt überhaupt noch zu mir, wo ich mich doch so viel verändert habe? Ich musste noch am gleichen Abend mit meiner Hängematte und Räucherstäbchen für eine vertrautere Umgebung sorgen. Das war wirklich sehr sehr viel! Und auch wenn ich mit der Zeitumstellung kaum Probleme hatte und ich auch teilweise recht gut drauf war kamen da immer wieder diese Situationen, in denen ich einfach überfordert war, sei es mit dem Alltag, mit Luxus, mit Geschenken oder mit all den Leuten, die etwas von mir hören wollten, ich aber einfach noch gar nicht so weit bin viel erzählen zu können, zumindest nicht bewusst. Bis gerade war Peru und alles dort einfach normal und ab jetzt soll man darüber in der Vergangenheit erzählen und berichten, das kann ich nicht!
Glück hatte ich damit, dass der Sommer erst noch mal sein Bestes gab und ich somit nicht im Haus rumhängen musste und mich gut ablenken konnte. Doch auch heute merke ich noch, dass ich noch nicht angekommen bin! Ich merke, dass ich noch darauf warte, dass es wieder zurück nach Lima geht, zurück in „unser“ Haus, so wie es im vergangenen Jahr immer wieder zurück nach Lima ging. Und da es für mich nächste Woche dann auch schon weiter geht zur nächsten Station, nämlich nach Fulda in ein neues Zimmer, da werde ich vielleicht noch etwas verwirrter sein, oder es tut einfach gut und hilft mir. Jetzt wird nämlich aus dem Schritt „zurück“ nach Hause, ins Alte ein Schritt „nach vorne“ ins Neue, was mir glaub ich an sich grade besser gefällt.



28.9.2011
So, es wird Zeit zum Ende zu kommen. Das Studium lässt nur noch ein paar Tage auf sich warten und mit meinen Pflichten des letzten Jahres sollte ich bald abschließen. Gerade habe ich mir noch mal das oben Geschriebene vom 12.9.11 durchgelesen. Schön noch mal an alles erinnert zu werden und wenn man das jetzt mit einem entfernteren Blick liest wird man sich viel bewusster über all das was man erlebt hat.
Gut jetzt sitze ich also wirklich schon hier in Fulda in meinem neuen Zimmer. Zwei Tage bin ich jetzt schon hier und habe noch eine Woche Zeit bevor die Einführungswoche losgeht. Das Nachbereitungsseminar liegt hinter mir. 5 Tage noch mal vollste Peru Anwesenheit. Es war echt sehr schön alle wieder zu sehen und uns über unsere Erfahrungen auszutauschen, die wir beim bisherigen Ankommen gemacht haben. Sehr gut fand ich auch den Austausch mit ehemaligen Freiwilligen und besonders die Länderübergreifenden Seminare haben mir sehr gut gefallen und auch geholfen. Sich ganz deutlich die Unterschiede zwischen Deutschland und Lateinamerika klarmachen um dann zu entscheiden wie man wozu steht und sich wie bei so vielem bewusst zu werden was die Vor- und Nachteile sind um uns aus einem evtl. blinden Lateinamerika-Hype rauszuholen.

Und wenn ich jetzt alles noch mal abschließend betrachten soll, dann bin ich einfach nur glücklich! All das was ich gelernt und erfahren habe, die unzähligen Erlebnisse die ich machen durfte, die vielen interessanten Menschen die ich kennen gelernt habe und die guten Freunde, die ich mitnehme. In der Casa Belén bin ich super aufgenommen worden, die Arbeit mit den Kindern hat mir großen Spaß gemacht und zu wissen, dass ich dort helfen konnte tut sehr gut. Ich bin in Peru echt aufgegangen und war mit Sicherheit nicht das letzte Mal dort.
Ich möchte mich noch mal ganz herzlich bei euch Förderern und Förderinnen bedanken für die große Unterstützung und eurem Interesse an dem was ich da so getan habe. Ohne euch wäre alles sehr viel schwerer oder gar unmöglich gewesen! Vielen Dank!
Ich freue mich also wieder riesig über Rückmeldungen!
Mit vielen Grüßen aus Fulda
Swen

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